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Archiv der Kategorie: typisch Paraguay

Kommt Zeit kommt kalt


Wir haben die Uhren, die Paraguayer haben die Zeit. Dass dies hier voll zutrifft, weiß in der Zwischenzeit wohl jeder. Und doch, obwohl wir uns längst an das rasante, paraguayische Tempo gewöhnt haben, werden wir immer wieder aufs Neue von der unvorstellbaren Dehnbarkeit der Zeit überrascht.
Eine kleine Dichtung im Kühlsysthem unserer Klimaanlage war ermüdet und musste ausgetauscht werden. Ein Werkstatttermin war gemacht und typisch deutsch, pünktlich um 8.00Uhr, stand unser Auto vor den Toren der Werkstatt. Der Klimaexperte war zwar noch nicht da, aber der Werkstattmeister nahm die Schlüssel entgegen und sagte, dass wir um 10.00Uhr unser Auto wieder abholen können. Zeit für ein ausgiebiges Frühstück im Dorf.
Punkt 10.0000Uhr war ich dann wieder in der Werkstatt und unser Auto hatte auch schon einen neuen Standort. Der Werkstattmeister sagte mir, dass es gleich fertig sei und so suchte ich mir ein schattiges Plätzchen auf der hölzernen Werkstattbank. Als ich da so saß, gingen mir noch einmal seine Worte durch den Kopf. „Unser Auto sei gleich fertig.“ Oh Schitt, er verwendete das Wörtchen „gleich“, was soviel bedeuten kann wie: in 5 Minuten oder aber auch in 5 Stunden oder gar in 5 Tagen. Meine Gedanken wurden unterbrochen, denn mit lautem knattern rollte der Klimaanlageninstandsetzungsmechaniker auf den Werkstatthof.
Bevor er sich nun an die komplizierte Aufgabe der defekten Dichtung machte, musste erst einmal Eis beschafft werden, um den Tererenapf zu befüllen. Und da die Eisbeschaffung eine Aufgabe der unteren Gehaltsstufe ist, hatte der Kühlmeister auch einen Gehilfen mit im Schlepp. Dieser erkannte sofort seinen Auftrag und machte sich auf die Suche nach gefrorenem Wasser.
Ich dachte mir, wenn er mit diesem Tempo das Eis ran schafft, ist es geschmolzen, bevor es im Thermo gelandet ist. Doch irgendwie kam das Wasser gefroren an seinen Bestimmungsort.
Die anschließende Tererepause dauert auch nur zwanzig Minuten und nun stürzte sich der Kaltluftspezialist an die Arbeit.
Ein kurzer Blick an die undichte Stelle und dann bemerkte er, dass der Werkstattboden doch sehr hart sei und verlangte nach einer Decke. Sein Gehilfe spurtete sofort los. Zeit für den Frosti die neuesten Meldungen auf seinem Telefon zu lesen. Oder besser gesagt, Smartphone. Oh man, wer hat diese Dinger bloß erfunden. Überall sieht man die Leute auf ihren Bildschirmen rumwischen. Ich habe inzwischen sogar ein neues Fitnessprogramm in der Fußgängerzone für mich entwickelt. Smartphonern ausweichen oder besser noch, Smartphoner umrennen.
Nach 5 Minuten kommt dann auch schon die Kuscheldecke und der Meister verschwindet zur Hälfte unter dem Auto. Sein Wischphone liegt sichtbar neben ihm. Doch nicht lange, denn schon nach 30 Sekunden macht dieses Geräusche und der Kältefritze angelt es sich unters Auto. Jetzt macht er es sich richtig bequem auf seiner Decke und widmet seine ganze Aufmerksamkeit what`s up, facebook und Co. Und dann, einen kurzen Moment der Ruhephase seines Meisters nutzt der Gehilfe zur Frage, ob er irgendetwas brauche. Der Klimaexperte schaut seinen Honk verdutzt an und verlangt dann nach einem 8-ter Ringschlüssel. Schon nach 5 Minuten schiebt der Helfer diesen, seinem Chef in die nutzlos herumliegende Hand.
Inzwischen ist eine Stunde vergangen, und tatsächlich ist die neue Dichtung eingebaut und alles wieder zusammenmontiert. Ich bin nun kein Experte, aber ich denke schlecht gerechnet würden dafür maximal 5 Minuten erforderlich sein. Aber egal, der Aircondizioner rutscht wieder unter dem Auto hervor, was sich als nicht so einfach herausstellt, da er ja dafür nur eine Hand frei hat. Die andere Hand ist ja schließlich mit seinem Handy verschmolzen.
Und dann eine verdiente, kurze, zwanzigmenütige Tererepause. Das Eis im Thermo ist inzwischen geschmolzen und es muss neues besorgt werden. Der Gehilfe hat wirklich alle Hände voll zu tun und ich glaube auch einen Schweißtropfen an seiner Stirn erkannt zu haben.
Mein Po hat inzwischen die Strukturen der harten Holzbank angenommen und nach 1,5 Stunden wird unsere Klimaanlage dann auch schon neu befüllt. Das dauert eine Weile, was dem Klimaanlagenspezialisten Zeit gibt, endlich mal wieder auf sein Smartphone zu schauen und das neueste aus aller Welt zu erfahren.

Und dann ist es geschafft. Gerade mal 2,5 Stunde dauerte die komplette Reparatur, wobei ich mal die zwei Stunde am Morgen vernachlässige und nicht in Betracht ziehe. Ein kurzer Test und auch mit der Funktion bin ich zufrieden. Die Rechnung beläuft sich auf 120.000Gs, was meines Erachtens voll in Ordnung geht, da das Klimaanlagengas nicht gerade billig ist. Kurz vor 13.00Uhr verlasse ich das Werkstattgelände mit funktionierender Klimaanlage. Und so ist das Auto kalt und wahrscheinlich auch das Mittagessen.

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Abenteuer Internet


Die Internetverbindung steht wieder und wir haben wieder Zugang zum www. Doch es war gar nicht so einfach, denn bei TIGO arbeiten mehr Blindpesen als Fachkräfte. Frisch aus dem Deutschlandurlaub zurück, wurde unsere Geduld gleich auf die Probe gestellt. Nachdem unser Internetmodem keinerlei Reaktion auf das Anstöpseln am Laptop zeigte, standen wir im Laden von TIGO in Carapegua. Das junge Fräulein säuselte irgendetwas davon, dass wir auf unserer Farm gar keinen Empfang hätten. Komisch, 5 Jahre kamen die Internetwellen  nun schon zu uns auf die Farm und jetzt sollten wir kein Signal mehr bekommen.
Wir fragten nach der Möglichkeit einer fest installierten Internetantenne und das TIGOgirl machte uns auch gleich einen Vertrag fertig. In den nächsten 24 Stunden sollten dann Techniker bei uns erscheinen und eine Simulation machen, um die Höhe des Turms zu bestimmen.
Dass 24 Stunden unterschiedlich lang sein können, wurde uns dann nach drei Tagen klar und wir brausten wieder in die Geschäftsstelle von TIGO.
Eine Garantieleistung sollte nun erst an TIGO entrichtet werden. Wir machten dem Telefontantchen klar, dass wir unseren Vertrag nur vom Modem auf eine feste Antenne ändern wollen und sich somit schon eine Garantieleistung von uns auf den Konten von TIGO befindet. Bis wir der Internettussi das verklickert hatten verstrich eine schlappe Stunde und am Ende schickte sie uns zu ihrem Kollegen.
Der nahm nun erneut unsere Daten auf und versprach uns in den nächsten 48 Stunden das Erscheinen der Techniker für die anstehende Simulation.
48 Stunden sind nicht unbedingt zwei Tage und nachdem nach 4 Tagen wieder nichts passierte, standen wir wieder bei TIGO. Dieses mal  begrüßte uns der freundliche Mitarbeiter gleich mit Handschlag. „Ich wollte gerade bei euch anrufen, denn wir brauchen noch eure Koordinaten.“
Der Kollege gab sich wirklich Mühe und nachdem wir über Googlearth unsere Koordinaten fanden, sicherte er uns in den nächsten 24 Stunden eine Lösung zu.
Und tatsächlich rief er am nächsten Morgen an und erklärte uns, dass ein Internetturm nicht möglich ist und die Simulation bei einer Höhe von 80m abgebrochen wurde. Was tun?
Er schlug uns vor, es noch einmal mit einem Modem zu  versuchen. Dazu müssten wir aber wieder in die Geschäftsstelle von TIGO kommen um unser neues Modem und den neuen Chip abzuholen.
Das Ende ist nun ganz einfach. Wir haben jetzt ein neues Modem mit neuem Chip und man glaubt es nicht. Das Internet funktioniert wieder und bis jetzt besser als vorher.
Und noch ein paar interessante Informationen gabs gratis dazu. TIGO will bis Februar 2015 300 neue Sendemasten aufstellen, die bestehenden Masten auf den neuesten Standard bringen und bis zum Jahre 2018 soll jede letzte Ecke in Paraguay mit bestem Internetempfang abgedeckt sein.
Jetzt kann jeder selbst ausrechnen, was diese Angaben bedeuten, wenn 24 Stunden zwei Tage und 48 Stunden 4 Tage sind.

 

kommt Zeit – kommt Rechnung


Dass in Paraguay alles etwas langsamer geht und die Zeit einen anderen Stellenwert hat, als im fortschrittlichen Europa, dürfte sich schon rum gesprochen haben. Doch trotzdem wundere ich mich manchmal, wie langsam die Mühlen mahlen können. Vor knapp sechs Jahren unterschrieben wir bei Tigo unseren Internetvertrag. Nach dem ersten Monat stellte uns die Telefongesellschaft prompt unser Internet wieder ab, weil wir unsere Rechnung nicht bezahlt hatte. Wie auch, wir hatten ja keine. Auf unsere Nachfrage hin wurde uns erklärt, dass die Rechnungen manchmal nicht zugestellt werden können, weil die Rechnungsboten die Adresse nicht finden. Seit dem bezahlen wir unsere Rechnung einfach immer am Ende des Monats, obwohl wir nie eine schriftliche Rechnung bekommen haben. Alls war gut und die Zeit verging. Wir zogen vom Großraum Asuncion aufs Land und auch hier landete nie eine Rechnung bei uns am Stacheldrahtzaun. Bis gestern jedenfalls, als ein Mopedfahrer an unserem Farmtor klatschte und uns unsere erste Tigorechnung in die Hand drückte. Wow, ich bin jetzt noch sprachlos und verwundert und ich glaube, auf diese beschleunigte Abwicklung eines eigentlich einfachen Vorganges, werden jetzt einige Beamte in Deutschland neidisch werden. Nichts desto trotz starten wir morgen in die letzten Apriltage und können uns langsam auf den Mai vorbereiten. Dieser wird natürlich gebührend eingeläutet und so findet auf der „Granja la Familia“ in Acahay eine zünftige 1.Maifeier mit Soljanka und lecker Bierchen statt. Wer sich noch mit in die Maifeier einreihen will, welche unter dem Motto „erster Mai – ich bin dabei“ steht, kann sich gern bei mir melden und bekommt dann alle weiteren Informationen. Bis dahin eine schöne Woche und denkt immer daran: „Mit dem lecker Bierchen nicht sparsam sein.“

 

Lieber Gonzalez Gimenez,


vor fünf Wochen brachte ich meinen Fotoapparat zu Ihnen ins Geschäft in Carapegua.

Es handelt sich um einen Apparat der Marke Sony, bei dem das Display ausgefallen war. Klassischer Fall von Garantie, denn die Kamera war gerade zwei Monate alt. Das sagte auch Ihre freundliche Mitarbeiterin und behielt das Gerät zur Reparatur in Ihrem Geschäft. Nach 14 Tagen sollte ich die Kamera wieder abholen kommen.
Lieber Gonzo, ich denke Sie haben nichts dagegen, dass ich Sie so nenne, denn inzwischen kennen wir uns ja schon einige Zeit. Also, lieber Gonzo, jetzt ist mein Fotoapparat schon fünf Wochen bei Ihnen und nachdem man, keine Ahnung wer, vor zwei Wochen festgestellt hat, dass das Display kaputt ist(?), sollte ich ein Ersatzgerät bekommen. Doch auf dieses warte ich seit diesem Tag vergebens.
Ich lernte auch Ihren Kollegen Antonio Palma übers Telefon kennen, übrigens ein mir unsympathischer Schleimer, der es versteht eine halbe Stunde lang zu faseln und dabei so viel auszudrücken wie ein 12 Wochen alter Säugling. Wie dem auch sei, ich war jetzt schon 8 mal in Ihrem Geschäft, weil ich eigentlich mein Gerät abholen kommen sollte, doch leider wurde ich immer wieder auf einen anderen Tag vertröstet. So auch heute.
Ich bin ein sehr ruhiger und verständnisvoller Mensch, glaube mir Gonzo, doch auch ich bekomme manchmal hohen Blutdruck und mein Hals schwillt an. Und das ist in sofern schlimm, weil mir dann das lecker Bierchen nicht mehr schmeckt. Und wenn es soweit ist, leidet meine Familie darunter, meine lieben Kinder, meine liebe Frau und meine Hunde und Katzen. Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem. Wenn meine Familie, sprich meine Frau, meine Kinder, meine Hunde und meine Katzen, meine schlechte Laune ertragen müssen, werden auch diese sauer. Und was das bedeutet möchte ich Ihnen einfach ersparen.
Also lieber Gonzo, lassen wir es nicht soweit kommen. Am kommenden Mittwoch schaue ich nochmal bei Euch im Laden vorbei. Ich versuche natürlich meine Familie zu Hause zu lassen, was ich aber nicht fest versprechen kann, und dann wage ich einen letzte Versuch einen Fotoapparat aus Deinem Geschäft mitzunehmen. Vielleicht hältst Du ja auch eine kühles lecker Bierchen für mich bereit, aber das muss nicht unbedingt sein.
Bis Mittwoch denn und muchos Saludos
Don Parakay

 
 

selbst ist der/die Mann/Frau


Ich weiß nicht, ob es mir nur so vorkommt oder ist es wirklich so, dass in Paraguay ständig etwas kaputt geht oder immer irgendetwas nicht richtig funktioniert. Ob Waschmaschine, Kühlschrank, Auto oder einfach nur der Fotoapparat. Jede Woche gibt`s eine neue Überraschung und wenn man eine Sache wieder zum Laufen gebracht hat, qualmt oder quitscht es in der nächsten Ecke. Gestern war es mal der Motor unserer Poolpumpe, der seinen Dienst verweigerte. Ich bin nun nicht unbedingt ein Poolpumpenmotormechaniker, aber schnell entschlossen wurde der Motor ausgebaut und auseinander genommen. Natürlich unter fachlicher Anleitung von Helmut.

Zum Glück kein größerer Schaden, denn durch eingedrungene Feuchtigkeit, hatten die Kugellager nur etwas Rost angesetzt und mit ein bisschen Öl konnte dieser bekämpft werden.
Doch woran liegt es nun, dass in Paraguay immer alles kaputt geht? Ich weiß es wirklich nicht und da der Pumpenmotor nun wieder eingebaut ist, bin ich jetzt schon ganz aufgeregt und gespannt, was als nächstes einen Werkstatttermin anmeldet. Da fällt mir ein, der Rasenmäher ist heute Morgen nicht angesprungen. Ich werde mir wohl mal den Vergaser vornehmen müssen.
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Verfasst von - Februar 25, 2014 in Alltag, typisch Paraguay

 

Mittagspause in Paraguay


Wenn wir im Lande unterwegs sind und sich der Mittagshunger meldet, suchen wir uns meistens einen Platz, an einem der zahlreichen kleinen Comedors. Hier gibt es oft mehrere Mittagessen zur Auswahl, die schnell serviert sind und wenig kosten. Heute gab es für mich Hühnchenfleisch mit Soße und Reis und für Helmut Rinderrippe mit Reissalat.

Dazu eine Sprite und ein Brahma und das alles für 33.000Gs. Da kann man nicht meckern und satt sind wir auch.

 

Mittagspause in Paraguay


Wenn wir im Lande unterwegs sind und sich der Mittagshunger meldet, suchen wir uns meistens einen Platz, an einem der zahlreichen kleinen Comedors. Hier gibt es oft mehrere Mittagessen zur Auswahl, die schnell serviert sind und wenig kosten. Heute gab es für mich Hühnchenfleisch mit Soße und Reis und für Helmut Rinderrippe mit Reissalat.

Dazu eine Sprite und ein Brahma und das alles für 33.000Gs. Da kann man nicht meckern und satt sind wir auch.

 
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Verfasst von - Januar 29, 2014 in Alltag, typisch Paraguay

 

mit Gummischlappen durch Paraguay


Er ist, glaube ich, der meist getraggenste Schuh Paraguays. Es gibt ihn fast in jedem Einkaufsladen zu kaufen und kostet umgerechnet 2,00 Euro. Während ich oft das Problem habe, Schuhe in Größe 45 zu bekommen, finde ich im Regal der Gummischlappen immer einen passenden Schuh. Als ich das erste mal in Flip Flops schlüpfte, fand ich das Gummi zwischen großem Zeh und dem Zeh daneben, (Wie heißt der eigentlich?), doch sehr gewöhnungsbedürftig. Heute bin ich bekennender Gummischläppler und einiges an Gummischlappen wurde von mir schon zerlatscht. Das der Gummibelag unter der Fußsohle auch noch nach seinem letzten Spaziergang nicht gleich im Müll landen muss, erklärte mir in der vergangenen Woche ein Maurer. Er schaute mir eine Weile beim Ausfugen zu und sagte mir dann, dass ich mein Fugenbrett doch mal gegen einen abgeschnittenen Badelatschen tauschen sollte. Ich bin lernfähig und probierte das paraguayische Fugenbrett auch gleich aus.

Im direkten Vergleich schnitt dann aber das gewohnte deutsche Moosgummi besser ab und der halbe Latschen landete im Müllsack.
Um eine voll geschlossen Fuge zu erhalten, ist es oft notwendig, nach dem die Fuge ein wenig angezogen hat, noch einmal mit Fügenmörtel nachzufugen. Dieses ist nicht gerade eine leichte Arbeit und sehr kraftaufwendig. Und jetzt kam das paraguayischen Fugengummi doch noch zum Einsatz, denn ich stellte fest, dass meine Schlappen hervorragend zum nachfugen geeignet waren. Ich konnte im Stehen arbeiten und meine beschlappten Füsse übernahmen das anstrengende Nachfugen.

In Deutschland gebe ich dem neuen Fugenschuh nur geringe Chancen am Markt für Fliesenlegerwerkzeug. Denn nicht nur, dass der Einsatz des luftigen Fugenschuhs auf den Sommer begrenzt ist, sondern auch die Berufsgenossenschaft wird diesen Schuh, aus arbeitsschutztechnischen Gründen nicht zulassen.

 
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Verfasst von - April 28, 2013 in praktische Tips, typisch Paraguay

 

Eine Busfahrt die ist lustig


Der Personennahverkehr im Großraum Asuncion funktioniert gut und die Colectivos, so nennt man hier die bunten, qualmenden und sehr lauten Busse, bringen einen in die entlegensten Ecken Paraguays. 2.300Gs kostet eine Fahrt und jeder Bus hat seine feste Route. Die Paraguayer erkennen ihren Bus an der Farbe, denn die Schilder mit den Zielorten sind oft sehr spät oder gar nicht zu erkennen. Auch ich stürzte mich in der letzten Woche wieder einmal in das Abenteuer Busfahren. Ich hatte Feierabend und wollte von Luque nach Aregua. Knapp 15 km beträgt die Strecke und mit dem Bus ist man eine halbe Stunde unterwegs. Es wurde schon dunkel und ich hielt also meinen Finger in die Luft, um dem ankommenden Busfahrer zu zeigen, das ich mitfahren will. Der Bus war kaum beleuchtet, aber es ging nur in eine Richtung und so war es egal, welches Ziel diese Linie hatte. So dachte ich jedenfalls, aber dann stand da dieser Polizist auf der Strasse, der wild winkte. Der Bus bog nach rechts von der Strecke ab und für mich stellte sich nun die Frage, wurde er nun von dem Polizisten umgeleitet oder wurde er von dem Polizisten nur gegrüsst und seine Route war eine andere, als meine Wunschroute. Ich beschloss im Bus sitzen zu bleiben, denn irgendwann würde er wieder auf eine Strasse kommen, die ich kenne. Inzwischen war es stock duster draußen und ich konnte nicht sehen wo wir lang fuhren. Einer rechts-links Kurve folgten zwei Links- und zwei Rechtskombinationen bevor es dann nochmal nach links und rechts ging. Mein Orientierungssinn hatte mich verlassen und da wir nun schon fast 15 min unterwegs waren, beschloss ich aus zu steigen. Ich wusste nicht wo ich bin und nahm den nächsten Bus in die entgegengesetzte Richtung. Dieser Bus war brechen voll und so hatte ich die Hoffnung dass es in die richtige Richtung ging. Wieder hatte ich keine Möglichkeit aus dem Fenster zu schauen denn zwei riesige Brüste einer Chipaverkäuferin versperrten mir die Sicht und selbst wenn ich durch den prall gefüllten Ausschnitt hätte durchschauen können, so wären die Scheiben des Busses viel zu sehr beschlagen gewesen um einen Blick ins Freie zu erhaschen. Dann endlich leerte sich der Bus etwas und ich musste mich von dem Anblick des Dekolette und dem wärmenden, riesigen Po der Chipaverkäuferin, der sich im gleichmässigen Tackt der Schlaglöcher an meinem Bein schubbelte, losreißen um einen dieser bequemen, Rücken schonenden, Hartplastiksessel ein zu nehmen. Beim Blick aus dem Fenster war ich dann etwas erleichtert, als ich die Bahnstrecke zwischen Luque und Aregua erkannte. So ganz verkehrt konnte ich also nicht sein, auch wenn mir diese Gegend fremd war. Ein mulmiges Gefühl stellte sich dann doch im Bauch ein, als der Bus immer leerer wurde, bis zum Schluss nur noch ein Passagier mir Gesellschaft leistete. Ja, und dann hielt der Bus und dass der Busfahrer das Wort Endstation benutzt, hatte ich schon befürchtet. „Wo bin ich?“ „In Yucyry“ antwortete mir der Busfahrer. „Wo zum Teufel ist Yucyry und wie komme ich jetzt nach Aregua?“ Der Busfahrer sagte mir dass Aregua nicht weit ist und beschrieb mir den Weg, da sein Bus erst wieder in einer Stunde seine Fahrt aufnimmt. Also machte ich mich auf die Socken und folgte der Wegbeschreibung des Busfahrers. Es war stockfinstere Nacht und es fing an zu regnen. Ich lief einen Sandweg im Nichts entlang und kein Licht und nicht mal der Mond, unterstütze mich beim Hindernisslauf über Pfützen und Modderlöcher. Der Regen hatte inzwischen ganze Arbeit geleistet und es gab keinen trockenen Fleck mehr an meiner Kleidung. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich, von ein paar kleineren Wasserlöchern mal abgesehen, den gefährlicheren Matschkuhlen ausweichen. Doch nun verließ mich mein Glück und eine kleine Unachtsamkeit zusammen mit einem Schrittfehler ließen mich für einen Moment in der Waagerechten verweilen, bevor ich weich, mit dem Gesicht und Bauch in Richtung Erdkern, in einem Badewannen großen Schlammloch landete. So schnell wie ich gefallen war, stand ich auch wieder denn es wäre mir peinlich, wenn das jemand gesehen hätte. Dann musste ich schmunzeln, wer sollte mich gesehen haben? Man konnte die Hand vor Augen nicht sehen und außerdem hatte ich seit 15min kein menschliches Wesen getroffen. Der Lehm knirschte zwischen den Zähnen, und nachdem ich den Matsch an Hose und Pullover gleichmäßig verrieben hatte, setzte ich meinen Weg fort. Dann erreichte ich eine gepflasterte Strasse und ich wusste endlich wieder wo ich bin. Geschätzte 3km Fußweg lagen nun hinter mir, doch knapp 3km trennten mich noch von der Strasse, wo es wieder Licht gibt, wo Menschen leben und vor allen Dingen, wo wieder Busse fahren. Inzwischen hatte der Regen meine Sachen etwas gesäubert. Dann, endlich wieder ein Haus. Und mehr noch, eine Neonröhre und ein offenes Fenster deuteten auf eine Despensa, die kleinen Tante Emma Läden Paraguay`s, hin und das bedeutete frisches, kaltes, lecker Bierchen. Das hatte ich mir jetzt verdient und dieses schmeckte besonders gut. Ich war gerettet und tatsächlich erreichte ich dann irgendwann die Strasse nach Aregua. Nach zwei Minuten kam dann auch schon der richtige Bus , der aber so voll war, dass mir nur noch der außerhalb befindliche Hängeplatz an der Vordertür übrig blieb. Mir war es recht, wusste ich doch nicht genau, ob mich der Busfahrer, so dreckig wie ich war, überhaupt in den Passagierraum gelassen hätte. Außerdem wurde ich so um eine Erfahrung reicher, man muss nichts bezahlen, wenn man nicht in dem Bus ist, was irgendwie auch logisch ist. Gegen 17.00Uhr startete ich meine Bustour, welche dann gegen 20.30Uhr zu Ende ging. Drei Stunden Paraguay, die ich bestimmt nicht vergesse und die mir eines gezeigt haben. Ist der Weg auch noch so hart, irgendwann ist da eine Neonröhre…

 
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Verfasst von - Juli 30, 2012 in typisch Paraguay, witzig

 

Paraguay bleibt Paraguay


Stellt euch vor es ist TÜV und keiner geht hin.
Lange im Vorfeld wurde über die Einführung des TÜV in Paraguay diskutiert. Gerade unter den Deutschen gab es heiße Diskussionsrunden für ein Für und Wider einer Sicherheitsplakette für Fahrzeuge. Der Termin für den Start ins neu TÜV-Zeitalter wurde mehrmals nach hinten geschoben. Als wir vor drei Wochen unsere KFZ-Steuern bezahlten, fragten wir nach, ab wann wir denn nun den TÜV vorweisen müssen. „Ruhe bewahren und Terere trinken“, sagte man uns. „Als neuer Stichtag steht der 1.August, doch ob es dabei bleibt?“ Wir warteten also ab mit unserer technischen Kontrolluntersuchung. Vorgestern gab es dann die Wende. Der oberste Gerichtshof stufte den TÜV als verfassungswidrig ein und somit ist der TÜV, vorerst einmal wieder in der Schublade verschwunden. Mich freut es. Ich bin in ein Land ausgewandert, in dem es keinen TÜV gab und habe das akzeptiert. Ich werde also weiter auf den Strassen Paraguay`s unterwegs sein, immer mit dem Gedanken daran, dass da ein Auto kommen könnte, bei dem die Lenkung oder die Bremse versagt, dass ich im dunkeln geblendet werde oder in der Nacht ein entgegen kommendes Fahrzeug erst eine Autolänge vor mir an der Zigarettenglut des Fahrers erkenne.
Es bleibt ein Stück Freiheit in Paraguay bestehen, und das ist gut so, denn wer weiß, was mit einem TÜV beginnt, endet irgendwann mit GEZ und Leinenzwang.

 
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Verfasst von - Juli 7, 2012 in typisch Paraguay

 
 
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